Im Gespräch: Enrico Luca Kindle

Die Entwicklung von Künstlicher Intelligenz überschlägt sich täglich. Wie schaffen wir es, dabei nicht nur mitzuhalten, sondern die Technologie selbstbestimmt zu gestalten? Darüber sprachen wir mit Enrico Luca Kindle.

Wenn du an KI-Konkret denkst – was ist deine persönliche Mission im Verein?

Meine Mission ist es, KI zu entmystifizieren und sie als das zu zeigen, was sie ist: ein unglaublich wertvolles Werkzeug. Ich möchte Technologie verständlich machen und den Bedenken in der Gesellschaft mit Fakten und pragmatischen Einblicken begegnen. Ich bin überzeugt, dass wir das am besten im offenen Austausch schaffen – in einer vielfältigen Gruppe wie KI-Konkret, in der unterschiedliche Perspektiven zusammenkommen, um ein gemeinsames Ziel zu verfolgen: den kompetenten und verantwortungsvollen Umgang mit KI zu fördern.

Was fasziniert dich am Thema Künstliche Intelligenz am meisten?

Mich fasziniert der Kontrast in der KI. Einerseits verleiht sie uns eine Art «Superkraft» und ermöglicht Resultate, die bis vor Kurzem noch undenkbar waren. Andererseits kämpfen selbst die fortschrittlichsten Modelle manchmal noch mit erstaunlich einfachen Aufgaben. Diese Lücke zu verstehen und vor allem zu schliessen, finde ich als Techniker extrem spannend. Es ist die Herausforderung, diese leistungsfähige Technologie robuster, zuverlässiger und damit noch wertvoller für uns alle zu machen.

Gab es einen Moment oder ein Erlebnis, das deine Sicht auf die Technologie besonders geprägt hat?

Ja, definitiv. Ein prägender Moment war, als ich damals erstmals mit KI-Agenten für die automatisierte Erfassung von Rechnungen experimentierte. Das Aha-Erlebnis kam, als ich merkte, wie einfach es wurde, einen Agenten zu entwickeln, der selbstständig unser bisheriges Buchungsverhalten analysiert und basierend auf diesem gelernten Kontext neue Belege verbucht. Er brauchte viel weniger starre Anweisungen als bei herkömmlicher Automatisierung. Das hat mir gezeigt: Wir bewegen uns weg von reiner Befehlsausführung hin zu Systemen, die Kontexte verstehen. Das ist echter digitaler Fortschritt.

Welche Entwicklungen von KI findest du aktuell am herausforderndsten – und warum?

Die grösste Herausforderung ist gleichzeitig das Spannendste: die enorme Dynamik. Die Entwicklungen überschlagen sich täglich. Das erfordert eine flexible Architektur und vor allem eine Haltung, die diesen Wandel begrüsst. Wir entwickeln heute Lösungen und wissen, dass wir sie morgen vielleicht schon wieder durch eine bessere Methode ersetzen. Wir können nicht abwarten, bis sich alles beruhigt hat, sondern müssen die entscheidenden Erfahrungen genau jetzt sammeln. Die Herausforderung ist also, mutig und pragmatisch voranzugehen, obwohl sich der Weg ständig neu formt.

Wenn dich jemand fragt, warum du dein Wissen im Verein weitergibst – was antwortest du?

Ganz einfach: Weil echter Fortschritt nur im Austausch entsteht. Ich sehe mein Wissen nicht als Einbahnstrasse, sondern als Einladung zur Diskussion. Erst wenn andere ihre Perspektiven einbringen – ob unternehmerisch, gesellschaftlich oder kreativ –, beginnen wir, gemeinsam zu wachsen. Mein Beitrag ist eine Einladung zur Zusammenarbeit, denn nur gemeinsam können wir sicherstellen, dass wir mit KI Gutes gestalten.

Wie setzt du KI in deinem Unternehmen ein und welche Themen deckst du dabei ab?

Bei uns bei walsermedia spielt KI eine zentrale Rolle, und das auf zwei Ebenen. Für unsere Kundschaft – darunter Gemeinden in Liechtenstein und KMUs aus der Region – bieten wir mit kaio einen eigenen KI-Workspace, der speziell für Organisationen mit hohen Ansprüchen an Datenschutz und Datensouveränität entwickelt wurde. Unser Ziel ist, Unternehmen eine Lösung zu geben, mit der sie KI datenschutzkonform, selbstbestimmt und vor allem im Team nutzen können. Wir machen Technologie zugänglich, sicher und kollaborativ. Gleichzeitig wenden wir diese Philosophie konsequent intern an und nutzen KI in allen Unternehmensbereichen – von Assistenten, die unsere tägliche Arbeit unterstützen, bis zur teilautomatisierten Verarbeitung von Prozessen. Wir setzen also pragmatisch um, was wir unseren Kund:innen empfehlen.

Wie erlebst du die Rolle von Frauen im Bereich KI?

Mich persönlich freut es sehr, dass wir es bei KI-Konkret geschafft haben, den Vorstand gleichmässig zu besetzen. Das ist keine Selbstverständlichkeit, denn gerade in der klassischen IT sind Frauen oft noch unterrepräsentiert. Für mich gilt hier dasselbe Prinzip wie bei jeder guten Zusammenarbeit: Vielfältige Perspektiven sind eine enorme Bereicherung. Sie führen zu besseren Diskussionen und letztlich zu durchdachten Lösungen. Deshalb sehe ich es auch als Aufgabe unseres Vereins, Frauen eine Plattform zu geben, den Austausch zu stärken und sie zu ermutigen, ihre Expertise aktiv in die Gestaltung von KI einzubringen.