Künstliche Intelligenz verändert die Art, wie wir arbeiten, kommunizieren und Kunden verstehen – wenn wir sie nicht nur beobachten, sondern selbst anpacken. Für Laura Wanger ist KI kein abstraktes Zukunftsthema, sondern ein Werkzeug, das Unternehmerinnen und Unternehmer befähigt, mit wenig Ressourcen Grosses aufzubauen. Als Co-Founderin von Rezendo und Gründungsmitglied von KI-Konkret verbindet sie unternehmerisches Denken mit praktischer KI-Anwendung – und zeigt, wie aus Neugier echte Innovation wird.
Wenn du an KI-Konkret denkst – was ist deine ganz persönliche Mission im Verein?
Ich will andere motivieren, KI als echte Chance zu sehen – besonders für Menschen, die unternehmerisch denken. Wenn ich in die USA schaue, sehe ich eine Kultur, die Gründerinnen und Gründer feiert. In Europa fehlt das oft. Dabei startet jeder mal klein – und mit KI haben wir heute die Möglichkeit, mit wenig Ressourcen etwas Grosses aufzubauen. Genau dieses Potenzial will ich bei KI-Konkret sichtbar machen.
Was fasziniert dich am Thema Künstliche Intelligenz am meisten?
Mich fasziniert, dass KI aktuell noch nicht als das gesehen wird, was sie wirklich kann. Viele denken an einen kleinen Helfer, der Texte zusammenfasst oder E-Mails formuliert. Aber KI ermöglicht es, komplexe Aufgabenstellungen, die mit klassischer Software kaum lösbar wären, mit einem einzigen Prompt zu bewältigen. Sie trifft Entscheidungen auf Basis von Inputs und steuert sich im weitesten Sinne selbst. Dieses Potenzial wird massiv unterschätzt – und genau das will ich ändern.
Gab es einen Moment oder ein Erlebnis, das deine Sicht auf KI besonders geprägt hat?
Ja – unser KI-Check, den wir am Digitaltag 2025 für KI-Konkret entwickelt haben. Da war dieser Moment, wo der Agent plötzlich selbst Entscheidungen getroffen hat – Tools aufgerufen, Skalen beschriftet, Ergebnisse ausgewertet. Nicht weil ich ihm jeden Schritt vorgegeben habe, sondern weil er das Ziel kannte und eigenständig getan hat, was nötig war. Das war mein persönlicher Aha-Moment – und der Beweis, dass KI schon viel mehr kann, als die meisten ahnen.
Welche Entwicklungen oder Anwendungen von KI findest du aktuell am spannendsten – und warum?
Ganz klar Conversational AI im Kundenbereich – da sehe ich riesiges Potenzial. Stell dir vor, du machst komplexe Verträge über ein Chat-Interface zugänglich, oder holst gezielt Informationen ein, um Unterlagen personalisiert zu erstellen. Das Spannende ist, dass KI durch Nachfragen wie ein guter Mitarbeitender wirklich verstehen will, was das Gegenüber braucht. Das verändert die Art, wie Unternehmen mit ihren Kunden kommunizieren, grundlegend.
Wenn dich jemand fragt, warum du dein Wissen über KI weitergibst – was antwortest du?
Weil ich als Gründerin in Liechtenstein selbst erlebt habe, wie sehr guter Austausch den Unterschied macht. Und weil ich finde, dass wir in Europa eine andere Kultur brauchen – eine, die Unternehmertum feiert statt kleinredet. KI gibt uns gerade die Möglichkeit, mit wenig Ressourcen Grosses zu schaffen. Dieses Potenzial sehe ich, und das will ich weitergeben – besonders an Menschen, die denken, Technologie sei nichts für sie.
Wie setzt du KI in deinem Unternehmen ein oder welche Themen deckst du dabei ab?
Bei Rezendo ist KI unser Kern: Wir nutzen KI-moderierte Chat-Interviews, um für Unternehmen herauszufinden, warum ihre Kunden zufrieden oder unzufrieden sind. Die KI führt das Gespräch, stellt Nachfragen und analysiert die Antworten automatisch. So bekommen unsere Kunden nicht nur eine Zahl wie den NPS, sondern verstehen endlich, was dahintersteckt.
Wie erlebst du die Rolle von Frauen im Bereich KI?
Ich glaube, gerade jetzt ist der perfekte Zeitpunkt für Frauen, ihre Stärken einzubringen. Kommunikation, Einfühlungsvermögen, das Verstehen von Bedürfnissen – das wird im KI-Zeitalter noch mehr Wert erhalten, nicht weniger. Aber ohne den Mut, die Technik auch zu nutzen und zu verstehen, bleibt dieses Potenzial ungenutzt. Und hier ist die gute Nachricht: KI kann jede und jeder nutzen. Mit Tools wie Codex, Claude Code oder ähnlichen kann heute jede und jeder programmieren und eigene Ideen umsetzen. Die Einstiegshürde war noch nie so tief um Ideen umzusetzen.